Hier ist wieder eine Geschichte. Dieses Mal von Michelle, die den Dry January schon mehrfach durchgeführt und immer noch davon überzeug ist! Das freut uns natürlich besonders - dass es Leute gibt, die jedes Jahr Teil der Community sind! Passend zum Stichwort "Community" berichtet Michelle von ihren Erfahrungen mit Alkohol in sozialen Situationen - und wie schwer es teilweise sein kann, "Nein" zu sagen.
Dies ist nun schon mein 5ter Dry January (DJ). Zu Beginn wars einfach als kleine persönliche Challenge gedacht, so wie wenn man mal eine vegane Woche macht oder eine Weile auf Zucker verzichtet. Ich verstand das ganze Trara drumherum nicht und konnte nicht verstehen, was jetzt so "krass" dran sein soll, einfach mal einen Monat keinen Alkohol zu trinken. Den Monat habe ich, ohne gross darüber zu reflektieren, hinter mich gebracht und empfand es als nicht besonders herausfordernd. Danach habe ich wie gewohnt weitergetrunken.
Beim letztjährigen DJ habe ich den Fokus auf die Veränderungen gelegt: Was passiert mit meinem Körper, wenn ich einen Monat auf Alkohol verzichte? Merke ich überhaupt etwas (ich bin ja «nur» Weekendtrinkerin, dafür dann aber leider oft mit Party verbunden und exzessiv). Spoiler: Die Veränderungen waren nicht sehr gross.
Dennoch, mit jedem weiteren DJ haben sich meine Gedanken dazu verändert, ich habe mich immer mehr mit dem Thema und vor allem der gesellschaftlichen Verankerung genau dieser spezifischen Substanz auseinandergesetzt: Warum ist Alkohol so wichtig für uns? Warum stossen wir auf alles mögliche an und warum ist ein Fest/eine Veranstaltung/ein geselliges Beisammensein/ein Date/u name it weniger "wert", wenn kein Alkohol fliesst? Man entzieht sich mit dem Nicht-Trinken einer gesellschaftlichen Konvention, macht sich mit dieser Entscheidung fast zur Aussenseiterin, muss sich immer erklären, denn wenn mit Jemandem etwas nicht stimmt/komisch ist, dann sicher mit der Person, die nicht mittrinkt.
Das ist es, was mich vor allem dieses Mal sehr beschäftigt: Warum habe ich das Gefühl, Freunde, die ich im Januar treffe, darüber informieren zu müssen, dass ich dann im Dry January bin? "Gäll, eifach dasses weisch, ich trinke dänn nüt...".
Es hat sich bei mir die Erkenntnis rausgeschält, anderen nicht das Gefühl geben zu wollen, dass unser Treffen durch den fehlenden Konsum von Alkohol (und hiermit natürlich primär das, was wir damit verbinden: Gesellig sein, zusammen lustig haben, gemeinsam anstossen, etc.) weniger wert ist und ich ihnen die Möglichkeit geben möchte, unser Treffen auf z.B. Februar zu verschieben.
Als ich ein romantisches Weekend (inkl. Dinner in einem schönen Restaurant) mit meinem Freund buchen wollte, war sehr schnell klar, dass wir dies dann sicher in einem Monat machen möchten, in dem wir dann auch den lokalen Wein probieren und eben...auf die schöne gemeinsame Zeit anstossen können.
Dies ist mein Ziel vom diesjährigen DJ: Ich möchte diese unglaublich feste Verbindung von schönen Momenten und dem Konsum von Alkohol aufbrechen. Es soll (zumindest für mich persönlich... die Gesellschaft ist schwierig zu ändern) keine Rolle mehr spielen, ob an einem "special happening" getrunken wird oder nicht bzw. soll die Wertigkeit eines solchen Events nicht davon abhängig sein. Dies während des DJ einen Monat lang zu üben, hilft, dies vielleicht auch danach so leben zu können.
Ihr habt uns fleissig eure Geschichten und Erfahrungen geschickt. Danke dafür! Freut euch auf spannende Anekdoten, fesselnde Erfahrungen und Berichte und vielleicht auch die ein oder anderen Tipps.